Dominik Criado

December 20, 2022

Französisch lernen

Drei Jahre Französisch in der Schule waren eine Qual. Jetzt, fast 20 Jahre später, möchte ich es nochmal versuchen. 

Mein Ziel: Ende 2023 kann ich einigermaßen den Texten von Le Monde diplomatique folgen.

Warum Französisch? Wer träumt nicht davon, den Ruhestand in einem kleinen Häuschen an der Côte a’Azur zu genießen und mehr als „L’addition, s’il vous plaît“ sagen zu können? Okay, ein eher unwahrscheinliches Szenario, aber ein schöner Gedanke. Und ich mache es auch im Sinne der Völkerverständigung. Ja ja. Die Franzosen scheinen nicht gewillt zu sein, Deutsch zu lernen, also dürfen wir uns auch mal ein wenig strecken.

Also habe ich mich vor zwei Wochen hingesetzt und recherchiert, wie man Sprache im 21. Jahrhundert eigentlich so lernt. Wenig überraschend: es gibt viele Apps. Auch wenig überraschend, sie bedienen sich oft der üblichen Methoden der Gamification mit Bestenlisten, knuffigen Animationen und hartnäckigen Benachrichtigungen und Erinnerungen. 

Das funktioniert auch ganz gut. Vor allem Duolingo habe ich ausgiebig getestet. Es sind ultrakurze Übungen mit extrem vielen Wiederholungen. Das scheint das Konzept zu sein, Motiviation durch Gamification und kurze Intervalle hochhalten. Ein Konzept für unsere Generation der kurzen Aufmerksamkeitsspanne.

Allerdings wirkt das auf mich eher wie ein Pausenfüller und kein Übungskonzept, das mich eintauchen lässt. Schließlich bin ich auf Gymglish (Ref-Link) gestoßen. Ein ganz anderer Ansatz. Zwar sind die Lektionen auch relativ kurz (etwa 15 Minuten, bei Duolingo sprechen wir von 1-2 Minuten), aber die Aufmachung ist eine ganz andere. Im Französisch-Sprachkurs „frantastique“ wird man durch eine liebevoll inszenierte Story geführt, die sich um den französischen Schriftsteller Victor Hugo (Der Glöckner von Notre-Dame) dreht. Großartig illustriert und mit Charme und Witz geschrieben.

Ich weiß nicht, welcher Ansatz pädagogisch besser ist. Ich weiß aber, dass ich Projekte wie Gymglish faszinierend finde. Hier geht es nicht um superkluge Algorithmen, das nächste Tech-Ding oder das meiste Engagement. Hier geht es um liebevolle Kreation, Kultur, Verständigung und ein Angebot mit Charakter. Hier wird der Entstehungsprozess für eine Lektion (man bekommt 5 Lektionen pro Woche) beschrieben. Da fließt richtig viel Aufwand rein. Von Tonaufnahmen, Sprachpädagogik, Illustration, Story-Boards und so weiter. Mehrere Wochen Produktionsarbeit für 15 Minuten lernen. Sicher, der Abo-Preis ist mit 40-60 Euro happig. Aber Qualität und Spaß an schönen Dingen hat eben seinen Preis.

Zurück zu meinen Erinnerungen an die Schulzeit und den Französischunterricht. Das systematische Lernen von Vokalen und Grammatik fällt mir schwer. Es abstrahiert die Sprache, sie wird zum Regelwerk, zum System. Dabei ist Sprache viel Gefühl und Flow. Weniger Falsch und Richtig. Es geht um das Kommunizieren und darum, ein Gefühl für die Sprache zu entwickeln. Das braucht Zeit und lässt sich auch nicht in einem Zwei-Stunden-Block pro Woche erlernen. Man muss vielmehr eintauchen.

Dieses Eintauchen funktioniert am besten, wenn man sich vollständig mit der Sprache umgibt. Also in einem Land, in dem die Sprache allgegenwärtig ist. Für mich ist das im Moment keine Option, außer vielleicht der nächste Sommerurlaub, aber auch dann, bleibt man Tourist und hat wenige echte Berührungen mit der Sprache.

Die beste Alternative dazu: Medien. Fernsehen, Lesen und Hören. Und auch dabei gilt das Motto: Einfach machen, auch wenn es nicht gleich funktioniert. Der Vorteil: Es fühlt sich natürlicher an, man nimmt etwas mit. Man lernt etwas aus den Inhalten und die Sprache wird fast zur Nebensache. Anders, als wenn man ein Regelwerk paukt, das an sich keinen weiteren Sinn ergibt, außer eben ein Regelwerk zu sein. 

Empfehlen kann ich für den Medienkonsum das Journal en Français Facile von Radio France Internationale. Ein kurzer Nachrichtenüberblick in einfacher Sprache zum Anhören, aber auch mitlesen. Außerdem gibt es die Rote Reihe von Reclam. Geschichten wie der „Kleine Prinz“ in Fremdsprache mit Übersetzung der wichtigsten Vokabeln. Und zuletzt gibt es natürlich „Arte“. Einfach die Sprache in der Mediathek umstellen (es gibt neben Französisch noch fünf weitere Sprachen) und in der Rubrik Audiodeskription suchen. Hier finden sich Serien und Dokus, die mit Untertiteln ausgestattet sind.

Alors, amuse-toi bien!


– Dominik Criado (dominik@criado.de)

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