Dominik Criado

January 12, 2023

Verdautes wiedergeben im digitalen Zeitalter

Entschuldigt den Titel. Ich wollte eigentlich erst "Auskotzen" schreiben, aber das hätte in die falsche Richtung gedeutet. Mir geht es nicht ums Schimpfen und Meckern. Mir geht es um Input und Output von Informationen – und wie es heutzutage aus der Balance geraten ist. 

Aber der Reihe nach: Was für die Verdauung gilt, gilt auch für unseren Konsum im Web. Wir müssen ein Gleichgewicht zwischen konsumierten Inhalten und dem kreativen Wiedergeben dieser Informationen, Eindrücke und Ideen aufrecht erhalten. 

Das allgegenwärtige Angebot an Inhalten und die endlose Menge sind nicht mehr verdaubar. Nachrichten, Blogs, Hacker News, Newsletter, Social Media, Podcast, Youtube und Wikipedia. Alles fließt permanent in unsere Köpfe und nimmt immense Mengen an Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch. Diese Angebote sind optimiert darauf, dass wir maximal Zeit damit verbringen. Der Konsum wird uns (zu) leicht gemacht. Das Web 2.0 versprach uns Interaktivität, das Internet sollte keine Einbahnstraße mehr sein. Aber ist es das nicht zum großen Teil weiterhin?

Sicher, es gibt eine ganze Ökonomie an Content-Creators dort draußen. Auf Youtube werden stündlich mehr Wiedergabestunden hochgeladen als ein einzelner Mensch überhaupt anschauen könnte. Der Output ist also da, nur ist er konzentriert auf relativ wenige Produzenten. Und all die anderen Tweets und Posts, die beim Warten auf den Bus oder auf dem Klo (um beim Bilde zu bleiben) produziert werden, sind eigentlich eher unverdaute Stückchen, die wir ausstoßen. Wie eine Katze Haarballen ausspuckt, einfach nur ein Beiprodukt unseres übermäßigen Konsums.

Die Verdauung sucht sich ihren Weg, eher unkontrolliert und nicht zielgerichtet. Die ganzen Laber-Podcasts, die überall aufploppen, die hasserfüllten Facebook-Posts, die Selbstdarstellung auf LinkedIn und die überbordende Protokollierung jedes Schritts auf Instagram, sind meist kurze gedankenlose Auswürfe. Abfall in gewissem Maße.

Wir sollten uns alle etwas mehr Zeit zum Verdauen, Verarbeiten, Interpretieren, Hinterfragen und eben Ausscheiden geben. Denn wofür konsumieren wir den ganzen Kram, wenn wir damit nur unsere Festplatte im Kopf permanent so lange füllen, bis wir die alten Informationen unbenutzt wieder überschreiben?

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