Dominik Criado

January 3, 2023

Wieso finde ich Autos plötzlich so langweilig?

Ich war nie ein Auto-Nerd. Aber ich genieße das Autofahren. Die Autonomie, die Ruhe und das Zusammenspiel mit der Maschine. Ich fand auch immer die unterschiedlichen Ansätze der Marken faszinierend. Mercedes, das hochwertige Auto für die Ewigkeit. Die Verspieltheit der französischen Marken und das Funktionale eines Volkswagens. In den letzten zwei, drei Jahren hat sich hier etwas verändert. Es hat für mich den Reiz verloren. Obwohl wir gerade die wahrscheinlich wichtigste Evolution des Automobils erleben: die Elektromobilität und die Digitalisierung.

Ich vermute, das hat drei Gründe:

1. Meine persönliche Situation und Entwicklung

In den letzten Jahren habe ich ein stärkeres Bewusstsein für die Klimakrise und das Thema Mobilität entwickelt. Autos sind zunehmend ein Störfaktor in meiner Wahrnehmung. Sie nutzen zu viel Platz in den Städten, sie sind ein Sicherheitsrisiko für meine junge Tochter und sie sind eine ineffiziente, verschwenderische Form der Mobilität.

2. Die Formen werden immer einheitlicher

Ja, es sind mittlerweile fast nur noch SUVs, die bei den Neuerscheinungen zu sehen sind. Ich habe kein Problem mit SUVs – die Sitzposition, das Sicherheitsgefühl. Generell mag ich auch eher große Autos. Aber selbst Kleinwagen kommen nun in der Form eines SUVs. Gestalterisch alles ziemlich einförmig und unter den Gesichtspunkten der Aerodynamik bei elektroangetriebenen Fahrzeugen wenig verständlich. Dazu kommen die minimalistischen Interieurs. Tesla hat es vorgemacht, die anderen ziehen nach. Das Auto wird zum Wohnzimmer mit großem Fernseher, Touch-Bedienung verdrängt mechanische Knöpfe und Regler. Nennt mich oldschool, aber damit verliert das Auto sein Gesicht und wird zu einem Fortbewegungs-Ding.

3. Das Auto wird zum Gadget

Das Fahren, also das von A nach B kommen, gerät in den Hintergrund. Die Passagiere möchten unterhalten werden, sie möchten die multimediale Beschallung ununterbrochen fortsetzen können. Rollende Computer ist kein übertriebener Spruch mehr. Moderne Autos sind keine mechanischen Maschinen zum Bewegen mehr, sondern Unterhaltungskünstler, die uns die Wartezeit versüßen. Autofahren wird dadurch „normaler“, weil es sich unserem sonstigen Alltag angleicht. Zumindest für alle, die sowieso einen Großteil ihrer Zeit vor Bildschirmen verbringen. Es tritt in den Hintergrund, dafür treten Apple und Google in den Vordergrund. Mir fehlt dabei die Konzentration auf den eigentlichen Vorgang: dem unglaublich schnellen Bewegen auf vier Rädern.

Ich bezweifle, das ich die Faszination wieder finden werde. Aber das ist okay. Wahrscheinlich wird es in einigen Jahren eine wachsende Oldtimer-Community geben, die auch mehr in den Mainstream rüberschwappt.

Ähnlich wie mit Schallplatten in einer Welt des Streamings. Die modernen Technologien sind super für den Alltag, für die Emotion greifen wir dann eben auf die alten, analogen Dinge zurück.

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