Daniel Flege

February 20, 2022

Film-Review: Texas Chainsaw Massacre (2022) - Leatherface is back

Der tänzelnde Kettensägen-Schwinger ist zurück. Nach einer mehr als bewegten Produktionsgeschichte, inklusive Wechsel auf dem Regiestuhl, erblickte der achte Teil des TCM-Franchise diese Woche das Licht der Netflix-Welt. Für einen Kino-Release hat es anscheinend aus mehreren Gründen nicht gereicht.

Der Kettensägen-Horror kehrt zurück

Aber der Reihe nach: Haupt-Antagonist in Texas Chainsaw Massacre ist nach wie vor Leatherface, der ganz im Stile moderner Horror-Requels die „Legacy“ des Originals mit den gesellschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart verhandeln darf.

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Statt einer Gruppe junger Hippies begleiten wir diesmal eine reiche Entourage an Influencern, die mit TikTok-Knete und Investoren im Rücken eine texanische Geisterstadt in ein kreatives Retreat verwandeln möchten.

Zu blöd nur, dass nicht alle Bewohner mit der Idee einer Umsiedlung einverstanden sind – schon gar nicht ein berüchtigter Muskelberg mit Hang zu Forstwerkzeugen. Ein brutales Katz-und-Maus-Spiel nimmt seinen Lauf.

Das von David Blue Garcia inszenierte und von Fede Álvarez (Evil Dead / Don't Breathe) produzierte neue Texas Chainsaw Massacre funktioniert vorrangig dann gut, wenn es einfach nur das sein möchte: ein blutiges Massaker. Die tollen praktischen Effekte sowie Literweise Kunstblut lassen das Herz eines jeden Gore Hounds höher schlagen.

Ein Fest für Gore Hounds

Zudem liefert endlich wieder ein TCM, was der Titel auch verspricht. Wie in unserer Podcast-Folge zum TCM-Franchise besprochen, kommt so mancher Teil der Serie auch ohne Einsatz der Kettensäge aus. Im 2022er Texas Chainsaw Massacre darf Leatherface dafür zersägen und zerfetzen, was der Benzintank hergibt.

Und das inszenatorisch in manchen Momenten durchaus eindrucksvoll (im Bus) oder besonders schonungslos (im Polizeiauto). Vor allem aber kurzweilig, denn mit gerade einmal 70 Minuten Netto-Laufzeit, ist Texas Chainsaw Massacre ein willkommener Kontrast zu den 2 1/2 Stunden Blockbustern, die wir momentan im Kino um die Ohren gehauen bekommen. 

Weil von dieser knappen Stunde viel Zeit für Splatter draufgeht, bleibt leider wenig für die Charakterisierung der Figuren übrig. Das wäre mir bei einem TCM-Film eigentlich herzlich egal, würde dieser hier nicht viele Handlungen und Aussagen seiner Protagonist:innen unangenehm unaufgelöst im Raum stehen lassen.

Da wären zum einen die Influencer, die sich teilweise so klischeehaft und realitätsfremd benehmen, wie sich Boomer eben Influencer und ihre Follower vorstellen. Die Millennials, so der Film, dreht sich nur um sich selbst und schert sich nicht darum, was die Generationen vor ihnen aufgebaut haben, ja welche Opfer sie dafür bringen mussten.

Indes kommen die texanischen Einheimischen wesentlich besser weg und entsprechen so gar nicht dem unbekannten ländlichen Redneck, dem der Ur-Vater The Texas Chain Saw Massacre seinen Terror verdankt. Sie sind die Leidtragenden der New Generation, sich ihrer Fehler (Klimakatastrophe, Haltung zu Waffen) vollkommen bewusst und verteidigen dies als notwendiges Übel.

Abrechnung mit der Moderne?

Die Verkehrung des düsteren Hinterwäldlers ins Gegenteil ist einerseits ein guter Kniff, hat mit Leatherface als Richter und Henker eben jener Gruppierung jedoch einen faden Beigeschmack. Mir kam es während der gesamten Laufzeit vor, als solle hier jemand seine gerechte Strafe erhalten, als müssten hier mal die Grenzen aufgezeigt werden. Ihr „cancelt“ uns, nehmt uns unser Zuhause, unsere Vergangenheit, unsere Identität – wir Euer Leben.

Weil David Blue Garcia in der Kürze der Zeit die Handlungen seiner Figuren und deren Motive im Raum stehen lässt, wird dieser Eindruck nicht entkräftet. Das wäre angesichts des durchwachsenen Casts aber wahrscheinlich sowieso nicht glaubhaft herübergekommen. Elsie Fisher (Eight Grade) und Jacob Latimore (Detroit) machen hier noch den besten Job. 

Sarah Yarkins Performance hingegen erinnert leider an die eines Profi-Fußballers: Eben noch dem Tode nahe, jetzt schon wieder voller Energie auf dem Platz unterwegs. Den Terror und Schmerz, den diese Person eigentlich gerade erfahren müsste, nimmt sie teils mit stoischer Gelassenheit hin. Eine Prise Nostalgie darf in einem Requel natürlich auch nicht fehlen, allerdings nur in Form einer Figur und nicht der Original-Schauspielerin.

Wie bereits erwähnt: Es ist Texas Chainsaw Massacre. Nach sieben Filmen mit zahlreichen Gurken habe ich beim achten Ableger weder schauspielerisch noch in Bezug auf die Story etwas erwartet. Stattdessen brachte der neue TCM kurzweilige, saftige Unterhaltung mit schönen praktischen Effekten, bei denen er gerne draufhält.

Allerdings hinterließ die Art der Abrechnung mit den Influencern (auch, wenn die Gruppe an sich austauschbar bleibt) sowie die teils unkommentierte Verherrlichung respektive Legitimierung einen wirklich faden Beigeschmack. Hätten Álvarez und seine Writer nicht krampfhaft versucht, gesellschaftliche Konfliktthemen zu verwursten, wäre das Kopfausschalten sicher noch leichter gefallen.

Wertung: ★★★☆☆ (3 von 5)

Mein Review sowie weitere Details zum Film findest Du ebenfalls auf Letterboxd.