Daniel Flege

March 7, 2021

Film-Review: The Postcard Killings

Du stehst auf Thriller à la Se7en, in denen abgehalfterte Cops perfide Serienkiller jagen? Dann könnte der folgende Film etwas für Dich sein – vorausgesetzt, Du siehst über die eine oder andere Schwäche hinweg.

In The Postcard Killings begiebt sich Jeffrey Dean Morgan in der Haut des NYPD-Detectives Jacob Kanon auf die Jagd nach dem Mörder seiner Tochter. Leicht hat es Kanon dabei nicht, denn der von Regisseur Danis Tanovic inszenierte Thriller verfrachtet den US-Cop auf eine Serienkiller-Hatz quer durch Europa. Und wie es die Film-Klischees so vorschreiben, ist der emotional angeschlagene Vater den örtlichen Einsatzkräften natürlich ein ordentlicher Dorn im Auge.

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Kanon kämpft damit nicht nur gegen die Reserviertheit der europäischen Kollegen, sondern auch gegen die Zeit an. Denn der Killer kündigt durch lyrische Postkarten bereits sein nächstes Blutbad an. Wird es dem trauernden Detective gelingen, den Fall zu lösen und den Leichnam seiner Tochter endlich nach Hause zu bringen?

Was auf dem Papier wie eine solide Serienkiller-Jagd klingt, entpuppt sich bei der Sichtung leider als oberflächliche Standardkost. The Postcard Killings nimmt sich keinerlei Zeit zur Einführung seiner Hauptcharaktere. Vielmehr werden diese, wie der Zuschauer selbst, mit dem Tod der Tochter direkt ins kalte Wasser geworfen.

Auch der Verlauf der "Jagd" ist dieser Bezeichnung kaum würdig. Statt ausgeklügelte Rätsel der Killer zu lösen oder die Zuschauer:innen zum Mitgrübeln zu animieren, folgen die Protagonist:innen machtlos der Blut- und Postkartenspur durch Europa.

Die Auflösungen und "Twists" sind vorhersehbar, während die Informationen und Beweise hierfür teilweise aus dem Nichts zu kommen scheinen. Warum die Fahnder:innen bestimmte Personen im Verdachte haben, bleibt teilweise ebenso an den Haaren herbeigezogen, wie die schlussendliche Killer-Motivation. Auch der Rhythmus von The Postcard Killings hinterlässt keinen guten Eindruck. Die Szenen- und Ortswechsel wirken überhastet, für tiefgreifendere Charakterzeichnungen nimmt sich Tanovic kaum Zeit.

Am Ende reichen ein solides Schauspiel von Jeffrey Dean Morgan sowie ein spannender zweiter Akt, um The Postcard Killings den Anschluss ans filmische Mittelfeld zu sichern. Wer wieder etwas Serienkiller-Nachschub braucht, bekommt mit dieser Romanverfilmung sicherlich nette 90 Minuten Crime geboten. Wer jedoch einen anspruchsvollen Thriller erwartet, sollte die Reise nach Europa lieber nicht antreten.

Wertung: ★★☆☆☆ (2 von 5)

Mein Review sowie weitere Details zum Film findest Du ebenfalls auf Letterboxd.